Katheterismus der Harnblase
Katheterismus der Harnblase
Definition: Das Einbringen eines Katheters in die Harnblase zur Urinableitung.
Die Katheterisierung ist eine ärztlich verordnete Behandlungspflege. Das Legen bzw. Wechseln eines transurethralen Katheters (durch die Harnröhre) ist vom Arzt delegierbar und darf von Pflegefachkräften durchgeführt werden. Die suprapubische Blasenpunktion/suprapubische Fistel (durch die Bauchdecke) fällt ausschließlich in den ärztlichen Bereich und ist somit nicht delegierbar.
Indikationen für den Katheterismus der Harnblase
1. therapeutisch:
- bei Harnverhalt
- bei Lähmungen der Harnblase
- hohe Restharnbildung
- Stilllegung der Harnröhre bei operativen Eingriffen
- Blasenentleerungsschwierigkeiten
- Spül- bzw. Instillationsbehandlungen
2. pflegerisch:
- offene Wunden, z.B. Dekubitus (Wundliegegeschwür)
3. diagnostisch:
- Restharnbestimmung
- Uringewinnung zur bakteriologischen Untersuchung
- Bilanzierung bei bestimmten Erkrankungen
Allgemeine Anforderungen an den Urinbeutel
- sterile Verpackung
- durchsichtiger Ableitungsschlauch
- knicksicherer, flexibler Ableitungsschlauch
- Antirefluxventil zum Beutel damit Urin nicht zurück laufen kann
- starre Tropfkammer zum Urinbeutel
- nicht nachtropfender, aufhängbarer Ablassstutzen
- selbstdichtende Urinabnahmestelle
- geschlossenes System
Der richtige Umgang mit dem Urinableitungssystem
- Schlauch darf nicht geknickt liegen
- Schlauch sollte nicht durchhängen
- Ablassstutzen darf keinen Bodenkontakt haben
- Beutel und Schlauch nicht über Blasenniveau hängen oder heben
- Diskonnektion vermeiden
Komplikationen des transurethralen Blasenkatheters
- Harnwegsinfekt (Vorkommen bei ca. 30 – 40 %)
- Verletzungen der Harnröhre
- Paraphimose (Phimose = Vorhautverengung)
Ursache der Entstehung von Komplikationen:
1. anatomisch:
- fehlende spontane Urinentleerung
- Schutzkeime der Harnröhre fehlen
- Schließmuskel als natürliche Barriere fehlt
2. pflegerisch:
- mangelnde Hygiene beim Legen des Katheters
- mangelnde Hygiene bei liegendem Katheter
- falsche Handhabung des Ableitungssystems
Maßnahmen zur Vermeidung von Komplikationen:
- streng aseptische Arbeitsweise beim Legen des Katheters (Verwendung eines sterilen Katheter-Sets!)
- strenge Händehygiene bei der Pflege (Desinfektion z.B. mit Braun Softa-Man oder Bode Sterillium)
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- sorgfältige Katheter- und Intimhygiene (evtl. Verwendung von Schleimhautdesinfektionsmitteln z. B. Prontosan)
- Reizung und Zug des Katheters vermeiden
- vorsichtiges Entfernen der Krusten und Schleim am Katheter (evtl. Verwendung von Schleimhautdesinfektionsmitteln z. B. Prontosan)
- sanfte Intimtoilette 1 – 2 mal täglich mit ph-neutraler Seife ( z. B. Menalind-Waschlotion)



